Selbstbildung

Die Waldorfpädagogik bemüht sich um eine umfassende Förderung und Entwicklung des Kindes und berücksichtigt die individuellen Besonderheiten. Sie misst dem Schutz von Kindern im Kindergarten eine besondere Bedeutung bei, da Kinder eine rückhaltlose Hingabe an die sinnlichen Eindrücke haben und sie ein tätiges Sich-Verbinden mit der Welt auszeichnet. Dieses ist die Grundlage einer Selbstbildung. Selbstbildung bedeutet, dass alles Lernen in diesem Alter ein ganzheitlicher und komplexer Vorgang ist. Gleichzeitig gilt: Jede Erziehung ist Selbsterziehung und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes. Wir müssen die günstigste Umgebung abgeben, damit an uns das Kind sich so erzieht, wie es sich durch sein inneres Schicksal erziehen muss.

Einzelne Bildungsbereiche treten aus diesem Grund nie isoliert auf und werden auch nicht isoliert weiterentwickelt, sondern überschneiden und durchdringen sich. So wird z. B. beim Backen von Brötchen eine durchschaubare Tätigkeit erlebbar, und unmittelbar wird die sinnliche und motorische Entwicklung durch die Tätigkeit des Teigknetens angesprochen. Wenn das Dreschen und Mahlen des Getreides hinzukommt, wird ein Sinnzusammenhang von Handlungen zu einem anschaulichen Erlebnis. Dieser Sinnzusammenhang ist wichtig für die ganzheitliche Bildung. Die innere Haltung des Erwachsenen ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Durch das Vorbild wird deutlich, dass durch die Handlungen und die Seelenstimmung des Erwachsenen die grundlegende Erfahrung gefördert wird, indem sie das Kind durch eigene Betätigung und Entdeckerfreude in den Alltag eintauchen lässt. Damit wird die Fähigkeit zur Selbstbildung im Kind gestärkt. Daher ist es wichtig, dass das Kind durch Nachahmung seiner Vorbilder lernt, denn mit der Seelenstimmung des Erziehers nimmt das Kind Verbindung auf, und diese formt und lenkt das Kind.